Aber man sollte sich nicht selbst belügen, denn Tatsache ist: JEDER von uns nutzt TÄGLICH Atomenergie in irgendeiner Form. Oft sogar direkt durch den jeweiligen Stromlieferanten der am Weltmarkt Atomstrom zukauft. (In dieser Liste der Stromhändler findet man eine genaue Aufschlüsselung.) Jetzt kann man zwar zu einem Ökostromlieferanten wechseln, indirekt lässt sich der „Konsum“ von Atomenergie aber nicht vermeiden. Sogar wenn man einen Liter Biomilch kauft ist in der Produktionskette (Bauer-Molkerei-Handel) irgendwo Atomstrom im Spiel.
Einen Ausstieg von der Atomenergie in den nächsten 40 Jahren zu beschließen, wie durch die vorige deutsche Bundesregierung geschehen, ist aber eine reine Alibihandlung, denn:
- Atomkraftwerke sind für eine Betriebszeit von 30 Jahren ausgelegt, dass heißt es können in den nächsten 10 Jahren noch Atomkraftwerke gebaut werden.
- In einem Zeitraum von 40 Jahren gibt es mindestens 10 verschiedene Regierungen die diese Entscheidung ändern können.
- Ich wünsche den Politikern die diese Entscheidung getroffen haben zwar ein langes Leben, aber die meisten werden in 40 Jahren die Umsetzung nicht mehr einfordern können.
Die Atomkraftbefürworter kommen dann auch noch mit folgenden Argumenten:
Unser steigender Energiebedarf wird auf absehbare Zeit nicht allein durch erneuerbare Energieträger zu stillen sein, man braucht also zusätzliche Energiequellen. Derzeit spielen neben den Kernkraftwerken die kalorischen Kraftwerke eine große Rolle, aber die fossilen Brennstoffe gehen irgendwann zu Ende. Außerdem produzieren Atomkraftwerke keine Treibhausgase und es gibt weltweit viel mehr Todesfälle und Krankheiten durch Umweltgifte der kalorischen Kraftwerke als durch Atomkraftwerke (Tschernobyl miteingerechnet).
Am Ende bleiben für mich als Atomkraftgegner viele Fragen:
Wäre es nicht klüger, wenn man ohne Atomenergie nicht leben kann, die Einstellung dazu zu überdenken? Sollte man nicht viel offensiver diese Technik vorantreiben um einen Reaktortyp zu entwickeln bei dem eine unkontrollierte Kernschmelze ausgeschlossen ist? Sollte man nicht viel mehr in die Forschung für ein sicheres Endlager von radioaktivem Abfall investieren, anstatt die Fördermittel für Atomtechnologie zu kürzen? Denn was wäre wenn wir die Technik für einen absolut sicheren Atomreaktor und ein Atommüll-Endlager zu Verfügung hätten? Wäre ich dann auch noch Atomkraftgegner – oder bin ich dabei den Befürwortern auf den Leim zu gehen?
1 Kommentar:
Ein paar Kontrapunkte:
Es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie lange das Uran für die Atomkraftwerke noch ausreicht. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass sich der Preis für Uran bis 2050 drastisch erhöhen wird, womit sich auch der Energiepreis erhöhen wird - ähnlich wie wir es jetzt schon mit dem Öl erleben.
Der Abbau von Uran ist eine extrem dreckige Sache: für 1 Kilo gefördertes Uran fallen 249 Kilo (!!) radioaktiver Abfall an. Es gibt z. B. in Gabun Gegenden, die noch immer - und noch sehr lange in Zukunft - an den angerichteten Umweltschäden leiden, obwohl der Abbau längst eingestellt wurde. Für die ehemaligen Mitarbeiter der Uranabbaustätten fühlt sich niemand mehr verantwortlich.
Atomkraftwerke brauchen Kühlwasser. Wir haben es aber bereits jetzt schon erlebt, dass Reaktoren in Deutschland im Sommer abgestellt wurden, weil durch das warme Wetter das Flusswasser zu warm wurde. Der Klimawandel, der uns - unabhängig von unseren Bemühungen - auf jeden Fall zum Teil treffen wird, wird uns aber noch wärmere Sommer bescheren. Was nutzen Reaktoren, die im Sommer abgeschaltet werden müssen?
Dann stellt sich die Frage: Gibt es sowas wie ein "absolut sicheres" Atomkraftwerk überhaupt?
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