Freitag, 6. Juni 2008

Rauchverbot

Ich bin zwar überzeugter Nichtraucher es hat mich aber noch nie gestört, wenn andere rauchen - ist ja ihre freie Entscheidung.
Die aktuelle Diskussion über Rauchverbote wirft aber einige interessante Fragen auf.

Darf ich mir selbst eine Verletzung zufügen um in Krankenstand gehen zu können? – Natürlich nicht.
Darf ich mich selbst verstümmeln um eine Invalidenrente zu kassieren? – Selbstverständlich nicht, ich werde dann auch strafrechtliche Konsequenzen zu tragen haben.

Aber wenn ich meine Gesundheit trotz aller Warnungen langsam verschlechtere bis ich teure Behandlungen brauche oder gar arbeitsunfähig werde, und mein Lebensunterhalt von der Gesellschaft getragen werden muss, ist das selbstverständlich in Ordnung.
Darf ich also fressen bis ich arbeitsunfähig bin, darf ich saufen bis meine Leber versagt, darf ich rauchen bis ich Lungenkrebs kriege?
Oder darf die Gesellschaft hier die Rechte des Einzelnen einschränken oder gar Zwangsmaßnahmen setzen? Wie bei den niederösterreichischen Landesbediensteten denen der Verlust des Arbeitsplatzes angedroht wird, wenn sie zu dick sind, oder wie durch die Forderung vom Grazer Bürgermeister nach einer Zwangstherapie für Drogensüchtige.
Sind hier die Interessen der Gesellschaft über die Freiheit des Einzelnen zu setzen?

Viele Fragen und Stoff für hitzige Diskussionen.

Freitag, 2. Mai 2008

Gentechnik - Technologie der Zukunft

Warum der Ruf der Gentechnik so schlecht ist, und beim Auftauchen von ein paar gentechnisch veränderten Reiskörnern gleich Panik ausbricht, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Mir ist weltweit kein Fall bekannt, bei dem durch die Gentechnik jemand zu Schaden gekommen ist. Da liegt der Verdacht nahe, dass diese Angst von der Agrarlobby in der EU bewusst geschürt wird, um ein Argument gegen Agrarimporte aus den USA zu haben, denn die USA sind auf dem Gebiet der Gentechnik Vorreiter und dem Rest der Welt um einiges voraus.

Objektiv betrachtet ist die Gentechnik eine der Schlüsseltechnologien unserer Zukunft. In der Medizin liegt die Hoffnung durch diese Technologie Medikamente für bis jetzt unheilbare Krankheiten wie Krebs und Aids entwickeln zu können. Auch der Umweltschutz könnte durch schädlingsresistente Sorten und der dadurch nicht mehr notwendigen Pestizide profitieren. Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung von Pflanzensorten, die auch auf kargen Böden gedeihen, um dem Hunger auf der Welt entgegenzuwirken.
Außerdem betreibt der Mensch ja seit Jahrhunderten eine Art von Gentechnik - durch Züchtung von immer neuen Pflanzensorten und Tierrassen, und niemand kommt auf die Idee es könnte der Menschheit schaden.

Also ich würde um dem schlechten Image der Gentechnik entgegenzuwirken, ein Gütesiegel wie zum Beispiel „Gentechnisch veredelt“ entwerfen, und alle gentechnisch veränderten Produkte damit kennzeichnen. Derzeit gibt es zwar Gesetze die diese Produkte auf dem europäischen Markt nicht zulassen, aber wenn wir den Anschluss an die USA nicht komplett verlieren wollen, wird es höchste Zeit sich aktiv an dieser Technologie zu beteiligen. Denn übertriebene Angst vor Neuem hat unserer Gesellschaft noch nie genutzt.

Um nicht einen falschen Eindruck zu erwecken, ich bin kein bedingungsloser Gentechnikbefürworter. Die komplette Freigabe der Gentechnik wäre sicherlich genauso falsch wie das Verbot. Man braucht hier genaue Rahmenbedingungen, zum Beispiel in der gentechnischen Steigerung der Leistungsfähigkeit von Nutztieren sehe ich den falschen Weg. Hier ist mit Sicherheit der eingeschlagene Weg in Richtung biologischer und artgerechter Tierhaltung der richtige.

Montag, 14. April 2008

Atomkraft - Energieform der Zukunft?

Als Kind war ich stolz auf meine Eltern als sie bei der Volksabstimmung gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf gestimmt haben. Später habe ich dann selbst das Anti-Temelin-Volksbegehren unterschrieben, und heute bin ich froh dass wir kein Atomkraftwerk in Österreich betreiben.
Aber man sollte sich nicht selbst belügen, denn Tatsache ist: JEDER von uns nutzt TÄGLICH Atomenergie in irgendeiner Form. Oft sogar direkt durch den jeweiligen Stromlieferanten der am Weltmarkt Atomstrom zukauft. (In dieser Liste der Stromhändler findet man eine genaue Aufschlüsselung.) Jetzt kann man zwar zu einem Ökostromlieferanten wechseln, indirekt lässt sich der „Konsum“ von Atomenergie aber nicht vermeiden. Sogar wenn man einen Liter Biomilch kauft ist in der Produktionskette (Bauer-Molkerei-Handel) irgendwo Atomstrom im Spiel.

Einen Ausstieg von der Atomenergie in den nächsten 40 Jahren zu beschließen, wie durch die vorige deutsche Bundesregierung geschehen, ist aber eine reine Alibihandlung, denn:


  • Atomkraftwerke sind für eine Betriebszeit von 30 Jahren ausgelegt, dass heißt es können in den nächsten 10 Jahren noch Atomkraftwerke gebaut werden.
  • In einem Zeitraum von 40 Jahren gibt es mindestens 10 verschiedene Regierungen die diese Entscheidung ändern können.
  • Ich wünsche den Politikern die diese Entscheidung getroffen haben zwar ein langes Leben, aber die meisten werden in 40 Jahren die Umsetzung nicht mehr einfordern können.

Die Atomkraftbefürworter kommen dann auch noch mit folgenden Argumenten:

Unser steigender Energiebedarf wird auf absehbare Zeit nicht allein durch erneuerbare Energieträger zu stillen sein, man braucht also zusätzliche Energiequellen. Derzeit spielen neben den Kernkraftwerken die kalorischen Kraftwerke eine große Rolle, aber die fossilen Brennstoffe gehen irgendwann zu Ende. Außerdem produzieren Atomkraftwerke keine Treibhausgase und es gibt weltweit viel mehr Todesfälle und Krankheiten durch Umweltgifte der kalorischen Kraftwerke als durch Atomkraftwerke (Tschernobyl miteingerechnet).

Am Ende bleiben für mich als Atomkraftgegner viele Fragen:

Wäre es nicht klüger, wenn man ohne Atomenergie nicht leben kann, die Einstellung dazu zu überdenken? Sollte man nicht viel offensiver diese Technik vorantreiben um einen Reaktortyp zu entwickeln bei dem eine unkontrollierte Kernschmelze ausgeschlossen ist? Sollte man nicht viel mehr in die Forschung für ein sicheres Endlager von radioaktivem Abfall investieren, anstatt die Fördermittel für Atomtechnologie zu kürzen? Denn was wäre wenn wir die Technik für einen absolut sicheren Atomreaktor und ein Atommüll-Endlager zu Verfügung hätten? Wäre ich dann auch noch Atomkraftgegner – oder bin ich dabei den Befürwortern auf den Leim zu gehen?

Freitag, 11. April 2008

Bargeld abschaffen

Ein Gedankenexperiment anlässlich der Gespräche über die Steuerreform.

Angenommen wir würden das Bargeld komplett abschaffen, jeder Mensch hätte von Geburt an ein Konto und eine Chipkarte. Jetzt könnte man eine Steuer auf jede Geldtransaktion automatisch einheben, zum Beispiel 10% (der frühere Zehent) und alle anderen Steuern abschaffen. Auf den ersten Blick wäre das durch die enormen Mindereinnahmen an Mehrwertsteuer und Lohnsteuer nicht realisierbar.Betrachtet man dieses System aber genauer ergeben sich in anderen Punkten auch große Mehreinnahmen. Da bei jeder Transaktion die Steuer eingehoben wird, hätte man auch bei Geschäften zwischen Unternehmen ein Steueraufkommen und nicht wie bei der Mehrwertsteuer nur durch den Endverbraucher.Es gäbe schlagartig keine Schwarzarbeit mehr da die Bezahlung nur mehr bargeldlos erfolgen kann und somit auch die Steuer automatisch abgezogen wird. Unser Steuergesetz würde auf ein Blatt Papier passen, Finanzämter wären überflüssig, aber auch Steuerberater müssten sich ein anderes Betätigungsfeld suchen.An den Börsen wären nur mehr langfristige Investitionen interessant, Spekulationen mit vielen schnellen Transaktionen wären einfach zu teuer. Aber auch Korruption und illegale Geschäfte (Drogenhandel etc.) wären um vieles schwieriger.

Natürlich wären auch weiterhin andere Abgaben als Steuern wie Krankenkassenbeiträge und Benützungsgebühren (Road Pricing etc.) notwendig, aber auch hier würden sich durch den ausschließlich virtuellen Geldtransfer enorme Einsparungsmöglichkeiten ergeben. Bei Lohnüberweisungen könnten zum Beispiel die Kassenbeträge automatisch berechnet und abgezogen werden. Bei Änderungen im Beitragssatz wird einfach die Formel im Zentralcomputer geändert.

Die Änderungen durch dieses System wären gravierend und in vielen Punkten anfangs gewöhnungsbedürftig. So würde auch der Geldfluss innerhalb einer Familie besteuert, aber dadurch zahlt man ja sonst keine Steuern mehr. Jeglicher Geldtransfer wäre transparent und nachvollziehbar, aber mit einem geeigneten Datenschutzkonzept sicher auch keine unüberwindbare Hürde.

Dieses System bis ins Detail zu simulieren und zu berechnen um alle Schwächen auszumerzen ist wahrscheinlich unmöglich, hier wäre ein Pilotversuch interessant.